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Luzart 2010

Adrian Paci im Kunsthaus Zürich

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Warum, zum Kuckuck, soll ein Maler filmen? Durchstreift man Biennalen, Kunstmessen und andere grosse Ausstellungen von Gegenwartskunst, erscheint die Frage nicht abwegig. Die wenigsten bildenden Künstler beherrschen ihre elektronischen Paletten und Pinsel annähernd so virtuos wie ihre Kollegen von der Traumfabrik. Technisch und inszenatorisch erscheinen die Werke der bildenden Künstler nicht selten vergleichsweise dilettantisch. Das gilt auch für Adrian Paci, den 1969 in Albanien geborenen Künstler. Als Maler ausgebildet, arbeitet er mehrheitlich mit Film. Dabei gelingen ihm allerdings Bilder von einer Intensität, um die ihn mancher Filmer beneiden darf.

Pointen

Von der grossen Übersichtsausstellung «Shifting Identities – (Schweizer) Kunst heute» im Jahr 2008 ist nicht zuletzt Pacis Bild der Menschen auf einer Gangway ohne Flugzeug in Erinnerung geblieben – eine Ikone der Hoffnung ohne Erlösung («Centro di Permanenza Temporanea», 2007). Ebenso auf eine eindrückliche Pointe hin angelegt war das Video «Turn on» (2004), das Paci an der Biennale von Venedig 2005 einem internationalen Publikum vorgestellt hat. In beiden Kurzfilmen fokussiert der Künstler auf eine Reihe von Gesichtern, die im heiligsten Ernst auf ein bedeutungsvolles Ereignis hinzufiebern scheinen, um dann in einer absurden Leere zu enden. Paci bezeichnet sich denn auch als Porträtisten – im gezeichneten und gemalten Antlitz liegen seine Wurzeln als Künstler. Beide Filme bewegen sich auf eine groteske Klimax hin: einmal mit einem Menschengedränge auf einer Gangway ins Nichts, ein andermal mit dem Bild einer Gruppe von Männern, jeder mit einem Benzingenerator unter ohrenbetäubendem Lärm eine lächerliche Funzel betreibend.

Narrativ komplexer und weniger auf eine überraschende Auflösung ausgerichtet ist der neuste Film Pacis, den die Kuratorin Mirjam Varadinis im Kunsthaus Zürich erstmals zeigt, «Electric Blue» (2010). Darin wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der während des Krieges versucht, mit schwarz kopierten Porno-Videokassetten seine Familie über die Runden zu bringen. Als er eines Tages seinen Sohn dabei beobachtet, wie er eine dieser Kassetten heimlich abspielt, beschliesst der Erzähler, mit dem Schmuddelgeschäft aufzuhören. Die Pornokassetten benutzt er fortan zum Mitschneiden von Nachrichten aus dem Krieg in Serbien. Erst die nachträgliche Betrachtung der Aufnahmen zeigt, dass zwischen den Kriegsbildern die darunterliegenden Pornosequenzen für Sekundenbruchteile aufblitzen – so, dass der ahnungslose Betrachter die Radarantenne in der Nase eines Kampfjets unweigerlich als Bild einer Penetration wahrnehmen muss. Für den Zuschauer ist schwer zu entscheiden, ob nun die Bilder von Bombenhagel oder starren Leichen beklemmender sind als jene von ungeschminkter sexueller Begierde.

Gar nicht narrativ, sondern vielmehr piktorial arbeitet Paci in seinen leiseren und kleineren Videos: Die vierteilige Installation «The Last Gestures» (2009) porträtiert auf nahezu altmeisterliche Art eine Braut kurz vor der Hochzeit – die schlechte Auflösung der Videotechnik und die extreme Verlangsamung der Bilder erzeugen «malerische» Unschärfe. Ebenso «gemalt» erscheint das Video «Britma» (2009), in dem ein schreiendes Kind aus der Unschärfe schemenhaft auftaucht und wieder verschwindet.

Pasolini

Im Zentrum der Ausstellung im Kunsthaus steht jedoch kein Film, sondern eine Kabelrolle von über zwei Metern Durchmesser. Der seit seiner Emigration 1997 in Italien lebende Künstler hat mit malerischen Mitteln eine Hommage an Pier Paolo Pasolini geschaffen: «Secondo Pasolini» (2010). Die hölzerne Spule ist mit Szenen aus dem Film «I racconti di Canterbury» (1972) bemalt, der ephemere Film auf Malerei eingedickt. Der Filmer malt. Warum nicht? Quelle: NZZ

Zürich, Kunsthaus, bis 22. August 2010.

5.6.2010