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Luzart 2010

Plakatsammlung zu Gast bei der Nationalbank

Wasser als Jungbrunnen für Körper und Geist

In den Schaufenstern der Schweizerischen Nationalbank hat die Plakatsammlung des Museums für Gestaltung seit Jahren einen bewährten Ort für Wechselausstellungen. Die neuste Präsentation widmet sich dem Thema Wasser. Wasser ist Leben – diese Gleichsetzung kommt bei der Werbung gut an, wie die neue Plakatausstellung des Museums für Gestaltung in den Schaufenstern der Schweizerischen Nationalbank zeigt. Sei es das Wasser als Quell der Gesundheit wie in mehreren Beispielen, auf welchen für bekannte Namen der Mineralwasser-Branche geworben wird, sei es Wasser als Element für sportliche Aktivitäten, wie auf Olympiade-Plakaten für Tokio 1964 und Los Angeles 1984, oder sei es Wasser als Jungbrunnen wie in einem Schweizer Tourismusplakat: Wasser steht für Vitalität und Lebensenergie.

Nicht zuletzt steht es für Leben aus dem einfachen Grund, weil es einen Grossteil des menschlichen Körpers ausmacht. Das klare Nass gilt überdies als Symbol für Reinheit und Neubeginn und spielt in den Schöpfungsmythen vieler Kulturen eine wesentliche Rolle. Sein kristallenes Blau wird in Werbeplakaten aber auch als rein ästhetisches Hilfsmittel eingesetzt, etwa in der Modewerbung, wo es gilt, die Strahlkraft des jungen menschlichen Körpers effektvoll in Szene zu setzen.

Wasser bedeutet auch Kraft, und insbesondere Wasserkraft wird als effizienter Energielieferant gepriesen. Die grosse Welle des japanischen Holzschnittkünstlers Hokusai lässt da grüssen auf einem trefflich gestalteten Werbeplakat für Wasserenergie, auf welchem die weisse Gischt der Welle von unzähligen Steckdosen gebildet wird.

Die enorme Wasserkraft ruft schliesslich die zerstörerischen Aspekte des Wassers in Erinnerung. Diese kündigen sich in den ausgestellten Plakaten allerdings nur am Rand, höchstens etwa scheu in dem Beispiel für eine Ausstellung im Strauhof von 2005 an, wo es um Sirenen, Nixen und Meerjungfrauen geht: Hat doch das weibliche Element, das mit Wasser gleichgesetzt wird, auch seine unheimlichen Seiten.

Sonst aber werden in der Werbung kaum negative Kräfte des Wassers beschworen. Dass Wasser auch todbringend ist – man denke an Dürren, verseuchtes Wasser, an Überschwemmungen und Naturkatastrophen wie einen Tsunami –, wird in den Konsumplakaten ausgeblendet. Hier steht Wasser als aktiv erobertes oder kontemplativ genossenes Element in seinen schillernden, spiegelnden, rauschenden, glänzenden, glitzernden und dem Körper und Geist wohltuenden Eigenschaften im Vordergrund.
Es mag aber letztlich die Doppeldeutigkeit des Elements Wasser sein, die seine dauernde Faszination begründet. Und das Wissen um die ambivalente Bedeutung schwingt selbst bei der Betrachtung der schönsten Plakat-Inszenierungen mit.

Zürich, Schweizerische Nationalbank, Schaufenster (Fraumünsterstrasse/Stadthausquai), bis 8. November.

24.7.2010