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Luzart 2010

Einwanderung: Profitiert die Schweiz am Ende?

Diesen Schuh zieht man/frau sich gerne an

Die Einwanderung in die Schweiz erhöht das Wachstumspotenzial, sagen Ökonomen und auch eine neue Studie. Ob die Einheimischen am Ende aber tatsächlich profitieren, sei dagegen nicht so sicher. Die Experten haben die konkreten Problemfelder aufgeführt. «Der fundamentale Wandel in der Kombination von Zuwanderung und wirtschaftlichem Strukturwandel ist in vielen Köpfen noch gar nicht angekommen.» Dieser Satz steht in einer neuen Studie der Zürcher Kantonalbank (ZKB) mit dem Titel «Immigration 2030», der die Folgen der Einwanderung bis zum Jahr 2030 untersucht. Dabei beschränkt sich die Untersuchung auf die Auswirkungen auf den Grossraum Zürich.

Wie die Detailresultate der Studie zeigen, sind die Auswirkungen tatsächlich fundamental. Ökonomen betonen immer wieder die Vorteile der Zuwanderung vor allem von hochqualifizierten Arbeitskräften, weil dadurch insgesamt das Wirtschaftspotenzial der Schweiz zunehme. Auf dieser allgemeinen Ebene bestätigt die Studie die Aussage. In ihrem Basisszenario gehen die von der ZKB beauftragten Forscher davon aus, dass die Gesamtbevölkerung im Kanton Zürich bis zum Jahr 2030 um 8 Prozent wächst, jene der Ausländerinnen und Ausländer dagegen um 13 Prozent. Der Anteil der Hochqualifizierten an der Erwerbsbevölkerung soll gleichzeitig von heute 33 auf 45 Prozent ansteigen. «Mit Abstand» die grösste ausländische Bevölkerungsgruppe werden die Deutschen bilden.

«Verkehrsprobleme, Umweltbelastung und soziale Spannungen»

Trotz dem anerkannten gesamtwirtschaftlichen Vorteil dieser Zuwanderung, gibt sich die Studie vorsichtig zur Frage, ob die Einheimischen am Ende tatsächlich davon profitieren: Das hänge ab «von den konkreten Verteilungseffekten insbesondere im Arbeits- und Wohnungsmarkt». Denn «Zersiedelung, Verkehrsprobleme, Umweltbelastung oder soziale Spannungen» könnten unverwünschte Nebeneffekte der Einwanderung sein.

Dramatische Konsequenzen könnten sich etwa auf dem Wohnungsmarkt ergeben: «Mit der neuen Zuwanderung kommen nicht nur mehr Leute, sie haben auch höhere Raumansprüche als die klassischen Migrantinnen und Migranten.» Weil sie sich vor allem auf Zentren wie die Stadt Zürich konzentriere, führe das dort «zu einem anhaltenden und überproportionalen Anstieg der Wohnungspreise». Es sei daher zu erwarten: «dass ein zunehmend grösserer Teil der ansässigen Bevölkerung sich diese Wohnregionen nicht mehr leisten kann».

Karrierechancen der Einheimischen unter Druck

Kommt dazu, dass laut der Studie «kurzfristig Arbeitslosigkeit und Löhne negativ beeinflusst» würden. Während die Forscher zur langfristigen Wirkung auf die Arbeitslosigkeit keine Aussagen machen wollen, weil hier die Prognose zu unsicher wäre, gehen sie auf die erwartbare Entwicklung der Löhne genauer ein. Kurzfristig dürften die Löhne bei allen Qualifikationsniveaus als Wirkung der Zuwanderung sinken. Langfristig gilt das nur für die Gutqualifizierten, die auch kurzfristig die grössten Verlierer sein werden. Denn diese Art von Beschäftigung erhält durch die Einwanderung am meisten Konkurrenz. Allerdings sind es wie bisher auch künftig die Zugewanderten selbst, die hier dem grössten Lohndruck ausgesetzt sein werden.
Die Studie geht schliesslich auch auf mögliche Folgen der Zuwanderungsentwicklung für das soziale Zusammenleben ein: Wegen der erwähnten Effekte auf die Mietpreise, die Löhne und die Arbeitslosigkeit und weil die «Karrierechancen der Einheimischen infolge der internationalen Konkurrenz unter Druck» geraten, könnten Überfremdungsängste ausgelöst werden. Die Forderung daher: «Im eigenen Interesse gilt es, die Entstehung einer völlig von der lokalen Realität abgehobenen, geografisch ungebunden Elite zu vermeiden und stattdessen die vielen Potenziale der Zugewanderten über (temporäre) Integration fruchtbar zu machen.»

6.10.2010