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Luzart 2010

Warnung vor Währungskriegen

IMF-Chef Dominique Strauss-Kahn

Die Währungskurse und vor allem die chinesische Währung rücken immer stärker in den Fokus der internationalen Wirtschaftspolitik. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IMF), Dominique Strauss-Kahn, warnte am Mittwoch vor einem Währungskrieg. «Ganz offensichtlich verbreitet sich die Idee, Währungen als politische Waffe einzusetzen», sagte IMF-Chef Strauss-Kahn in einem Interview der «Financial Times». Er fügte hinzu: «In die Tat umgesetzt, könnte solch eine Idee ein sehr ernsthaftes Risiko für die weltwirtschaftliche Erholung darstellen. Jeder entsprechende Versuch hätte negative und sehr schädliche Auswirkungen.»

Erhöhter Druck der USA

Die Währungskurse werden auf dem Jahrestreffen des IMF ab Donnerstag eine wichtige Rolle spielen. Die USA werfen China vor, durch Währungsdumping seine Exporte zu stützen. Die EU-Staaten waren bei ihrem Treffen mit den asiatischen Staaten am Dienstag in Brüssel gescheitert mit dem Versuch, China zu einer Aufwertung zu bewegen. Der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle will das Thema ebenfalls bei seiner Chinareise kommende Woche und beim G20-Gipfel in Seoul/Korea im November ansprechen.

In den vergangenen Wochen hatten mehrere Staaten Massnahmen ergriffen, um ihre Währungen von einem Aufwärtsdruck zu entlasten. So reagierte Japan mit Dollar-Käufen auf den steigenden Wechselkurs des Yen. Darüber hinaus lösten die Senkung des Leitzinses und die Ankündigung weiterer Anleihenkäufe durch die japanische Notenbank für einen fallenden Kurs. Auch Brasilien hat eine Intervention am Devisenmarkt angedroht, um einer Aufwertung des Real entgegenzuwirken.

Ruf nach flexiblen Yuan-Kurs

Der chinesische Yuan wird laut Brüderle ein wichtiges Thema beim Treffen der G-20-Staaten im November in Seoul sein. «Wir müssen mit den chinesischen Partnern über dieses Thema sprechen», sagte der deutsche Wirtschaftsminister Brüderle in Berlin. In den vergangenen Jahren sei der Yuan zwar um rund 15 Prozent aufgewertet worden. «Aber es bestehen in der Tat noch Ungleichgewichte», sagte Brüderle. Die Wechselkurse seien nicht flexibel.

Grosse Gefahr

Der Konflikt um den Yuan stellt nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) eine grosse Gefahr für die Weltwirtschaft dar. Ein Handelskrieg zwischen den USA und China «würde einen herben Rückschlag für die Konjunktur bedeuten», erklärte ein DIW-Ökonom. Dies gelte mit Blick auf die vom US-Repräsentantenhaus gerade beschlossenen Strafzölle auf chinesische Produkte. Damit könnten sich die Wachstumsperspektiven auch in Deutschland verschlechtern.

Nach Berechnungen des Peterson Instituts für Internationale Wirtschaft in Washington sei die chinesische Währung zwischen 15 und 40 Prozent unterbewertet, schrieb das DIW. Sie stehe einer schnelleren wirtschaftlichen Erholung in den USA im Wege. Seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) habe sich der Handelsbilanz-Überschuss Chinas gegenüber den USA von 103 Milliarden US-Dollar im Jahr 2002 auf 268 Milliarden US-Dollar im Jahr 2008 mehr als verdoppelt. Damit liege der chinesische Anteil an den US-Warenimporten mittlerweile über 20 Prozent.

7.10.2010