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Luzart 2010

Kunst aus Nordkorea im Wiener MAK

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Doch, es gibt noch ein Paradies für Raucher auf diesem Planeten: Es liegt schwer im Osten und heisst noch beschwerter Nordkorea – oder offizieller «Demokratische Volksrepublik Korea». Eine Ausstellung im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien führt derzeit Kunst und Architektur aus diesem Lande vor – eine Art Rarität, waren die künstlerischen Erzeugnisse Nordkoreas doch in diesem Ausmasse im Westen noch nie zu sehen. Eine Rarität, die allerdings auch einigen Staub aufgewirbelt hat – warf man MAK-Direktor Peter Noever doch vor, er zeige ohne kritischen Kommentar propagandistische Kunst aus einem totalitär regierten Land, dessen Regime von einigen gerne als ein kleiner Haufen grosser Verbrecher angesprochen wird.

Viel Speck im Topf

Dass die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der koreanischen Nationalgalerie und der dortigen Architekturfakultät nicht ohne gewisse Eingeständnisse zustande kommen konnte, leuchtet ein. Beim Gang durch die Schau aber staunt man dann doch, wie ungebremst hier der ideologische Schaum in die Leinwände einbricht: glückliche Bauern und fröhliche Arbeiterinnen, wohlgenährte Kinder mit roten Backen, Militärköche, die tüchtig Speck in die Töpfe hauen, Schülerinnen mit Blumensträusschen, Sportlerinnen, Gänsehirtinnen, Musikanten in Uniform – ungeschminkte Propagandakunst im Dienste der Juche-Ideologie, der spezifisch nordkoreanischen Form von Sozialismus. Dass sich ein Staatskünstler da irgendwo eine künstlerische Freiheit oder gar eine kleine menschliche Frechheit erlaubt hätte, ist nirgends auch nur ansatzweise zu spüren – so wenig Ironie war noch nie in diesem Hause versammelt, fast trocknen die Wände aus.

Erstaunlicherweise gibt es kaum Unterschiede zwischen den Ölmalereien, den Holzschnitten und den Plakaten – allenfalls der, dass die propagandistischen Kernsätze bei den Bildern nur die Titel bestimmen, derweilen sie bei den Plakaten natürlich Teil der grafischen Gestaltung sind. «Freude über die Beseitigung des Analphabetismus» etwa heisst ein Ölbild, das eine Dame mittleren Alters beim Verfassen eines Briefes mit Federkiel und Tinte zeigt – wobei ihre Freude nur gerade die Ahnung eines Lächelns bewirkt und also eine verhaltene, stille, gewissermassen vernünftige Form innerer Erregung ist, wie sie wohl dem Umgang mit dem wichtigsten Propagandainstrument der Partei entspricht: der Schrift. Da kann die Fischerin schon viel lustiger lachen, die auf einem Plakat ein Bündel Algen aus dem Wasser zieht: «Lasst uns die Produktion von Seetang steigern!» Fröhlich glänzen auch die Gesichter des Pärchens, das vor einer Kulisse aus Wolkenkratzern und Kränen mit Handorgel und Trömmelchen musikalisch Stimmung macht: «Lasst im ganzen Land durch Kultur Leidenschaft und Emotionen aufleben!» Warum der Mann einen Helm trägt, bleibt indes ein Mysterium – vielleicht ist die musikalische Erziehung im Juche-Land doch noch nicht ganz ausgereift.

Der Ewige und sein Sohn

In eigenen Kojen, die mit Hilfe von Seilen vorsichtig abgesperrt sind, hängen insgesamt 16 Gemälde, die den 1994 verstorbenen «Ewigen Präsidenten» Kim Il Sung oder seinen Sohn Kim Jong Il zeigen – stets gutgelaunt und volksnah, oft umringt von Kindern oder von Frontsoldaten und Bauern mit Begeisterung begrüsst. Auch ein wenig Architektur aus Nordkorea wird gezeigt – namentlich Pläne und ein Modell des Juche-Turms, des 1982 vollendeten Wahrzeichens von Pjongjang. Dieser grosse Glimmstengel führt uns zum Anfang zurück, zur westpolitisch ganz und gar unkorrekten Schloterei, die in vielen dieser Bilder betrieben wird, als ginge es darum, die Juche-Ideologie über Rauchzeichen in die Welt hinaus zu blasen. Auch Kim Jong Il hängt mächtig an der Kippe, während er als «das stetig brennende Licht des Parteizentrums» noch etwas Papierkram erledigt – derweilen vor dem Fenster die Sternchen eine blitzsaubere Winternacht beleuchten. Ein nikotinöses Paradies ist Nordkorea auf jeden Fall – ob es auch sonst etwas von dem hält, was die Bilder versprechen, sei dahingestellt, oder vielleicht dann doch lieber dorthin. Quelle: NZZ

Blumen für Kim Il Sung. Kunst und Architektur aus der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea. Museum für angewandte Kunst, Wien. Bis 5. September.

30.6.2010