Unser täglich... Unser täglich...
Bloghouse Bloghouse
Services Services
Feuilleton Feuilleton
Ausstellungen Ausstellungen
Museum Museum
Theater Theater
Architektur/Wohnen Architektur/Wohnen
Humor Humor
Luzart 2010

Soul-Legende Solomon Burke gestorben

Solomon Burke

Der Tod hatte ihn sein Leben lang begleitet. Denn neben seinem Wirken als Soul-Sänger unterhielt Solomon Burke eine Kette von Bestattungsunternehmen in Los Angeles. Nun wird wohl eines seiner 21 Kinder - zwei davon sind Bestatter - ihn für den Weg vorbereiten, auf dem er selbst so viele begleitet hat. Solomon Burke ist am Sonntag (nach der Landung in Amsterdam) auf dem Weg zu einem Konzert gestorben. Er wurde 70 Jahre alt. Oder 72. Oder 74.

In einschlägiger Literatur kursieren verschiedene Geburtsjahre, nach eigenen Angaben wurde er jedoch 1940 in Philadelphia geboren, wo er schon als Kind mit seinen Entertainer-Qualitäten eine Radioshow bestritt. Als Teenager wurde er Prediger und sang Gospels, bis er 1960 von Jerry Wexler für Atlantic Records unter Vertrag genommen wurde.

Sein erster weltlicher Hit hiess Just Out Of Reach (Of My Two Open Arms). Es folgten Titel wie Down In The Valley oder Everybody Needs Somebody To Love, den die Rolling Stones coverten.

In der hohen Zeit des Soul nahm er eine Reihe erstklassiger Alben wie King Solomon, I Wish I Knew oder Proud Mary auf. Herrliche Bastarde aus Soul, Country und natürlich Gospel. Denn ein Prediger sollte er zeitlebens bleiben. In Konzerten wie in Vieraugengesprächen. Burke war ein Mann mit Mission. Sei es als federführender Charakter des Soul Clan, einer schwarzen Supergroup mit Joe Tex, Arthur Conley, Don Covay und Ben E. King oder als Solokünstler.

Doch mitunter diente er sich zu sehr den Moden an. Als Disco Soul ablöste, versuchte er sich in diese Richtung zu verändern, selbst die Gefilde des vor Lust triefenden Bedroom Soul waren dem Schwergewicht einen Versuch wert.

Doch Ende der 1970er-Jahre schien Solomon Burke ein Auslaufmodell zu sein und wandte sich wieder dem Gospel zu. Unter anderem mit dem flehend betitelten Album Lord, I Need A Miracle Right Now.

Ein Fan des Bishop Of Soul bescherte ihm so ein kleines Wunder. Peter Guralnick, ein US-Musikjournalist und Autor von Standardwerken wie Sweet Soul Music, brachte ihn dazu, sich wieder seiner Kernkompetenz zu besinnen.

Das tat Burke. 1984 erschien mit Soul Alive! ein umwerfendes Live-Dokument, auf dem er kommerziell erfolgreich zwischen Deep Soul, Country und Gospel lustwandelt. Doch die Zeit war nicht reif für eine Soul-Renaissance. Burke verdingte sich anderweitig. 1987 spielte er einen Gangster im Film The Big Easy, dazu veröffentlichte er mittelmässige Alben oder sang für den Papst im Vatikan. Bis 2003 Don't Give Up On Me erschien.

Grössen wie Bob Dylan, Tom Waits oder Dan Penn schrieben Songs für Burke, und Joe Henry produzierte daraus ein stimmiges Meisterwerk, für das der blinde Organist aus Burkes Kirchenchor das fiebrige Fundament besorgte.

Es regnete Preise, Burke war wieder dick da, buchstäblich. Zwar absolvierte der stark fettleibige Showman seine Auftritte nur noch sitzend - auf einem Thron, versteht sich -, doch es waren immer noch die mitreissenden Shows eines Charismatikers, der auch 5000 Leute um den kleinen Finger wickeln konnte.

Das gelang ihm bis zuletzt vor allem in Europa, wo Titanen wie Solomon Burke grössere Anerkennung zuteil wird als zu Hause in den USA.

10.10.2010